Coronalage in St. Josef  

Die ersten Mitarbeiter sind aus der Quarantäne zurückgekehrt. Viele spüren und leiden noch unter den Folgen der Covid 19-Erkrankung  und versuchen dennoch,  ihren Dienst zu erfüllen.

Die Unterstützung durch die Bundeswehr ist gut angelaufen. Die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten  nehmen den Pflegehelfern viele Handgriffe ab und sind bereits in bestehende  Arbeitsabläufe integriert. Die soziale Interaktion mit den Bewohnern/innen läuft gut. Einige der eingesetzten Bundeswehrmitgliedern kümmern sich auch um die telefonische Kontaktaufnahme mit den Angehörigen. Per Whatsapp gibt es wieder die ersten Blickkontakte und Gespräche.

Bundeswehr hilft St. Josef

Weil im Oberkircher Pflegeheim St. Josef deutlich mehr als 20 Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt sind, springt ab Samstag die Bundeswehr ein. Es ist nicht die einzige Unterstützung.

VON PATRIC KÖNIG

Oberkirch. Unter den Bewohnern des Pflegeheims St. Josef kamen die Corona-Neuinfektionen „ein bisschen zum Stillstand“, sagt Geschäftsführerin Kristiane Schmalfeldt: Seit Montag, als 42 Bewohner erkrankt waren, gab es noch zwei Corona-Neuinfektionen. Dafür meldeten sich umso mehr Pflegende wegen Covid-19 krank, weit über 20 sind es insgesamt: Nur noch drei gesunde eigene Fachkräfte standen Schmalfeldt zur Verfügung. Doch jetzt naht Hilfe: Heute, Samstag, sollen vier Bundeswehrsoldaten auf den Wohnbereichen für hauswirtschaftliche Tätigkeiten eingesetzt werden. Am Montag sollen vier Rettungssanitäter aus Dornstadt im Alb-Donau-Kreis folgen, die in der Pflege eingesetzt werden. „Die Bundeswehr stand sofort Gewehr bei Fuß. Das ist schön“, sagte Schmalfeldt. Auch die Mitarbeiter, die zum Teil 18 Tage am Stück im Einsatz sind, nahmen die Nachricht mit Erleichterung auf.

 

Schmalfeldt erwartet noch ein hartes Wochenende, danach ist wieder Besserung in Sicht – dank der Bundeswehr und weil bis zum 12. Februar zwölf Pflegekräfte aus der Quarantäne zurückkehren sollen. Hilfe erhielt Schmalfeldt auch von einem Kollegen aus Zell am Harmersbach: Er ordnete eine Pflegekraft nach Oberkirch ab. Eingesetzt wird sie im Seniorenzentrum St. Barbara, das ebenfalls von der Wohnen und Pflege gGmbH betrieben wird. Im Gegenzug arbeiten drei St.-Barbara-Pflegekräfte, die im Herbst schon am Coronavirus erkrankt waren, in St. Josef mit. Dort sind inzwischen fünf Bewohner an Covid-19 verstorben.

Der Corona-Ausbruch erfüllt auch OB Matthias Braun mit Sorge. „Die Situation ist fast schon dramatisch. Jeden Tag ergeben sich neue Aufgabenstellungen und man hat keine Verlässlichkeit, weil man nicht weiß, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt.“ Die Quarantäne für erkrankte Mitarbeiter führe zu einem Versorgungsengpass. „Die Lage bleibt höchst prekär“, sagt der Oberbürgermeister. Er lobt Kristiane Schmalfeldts Krisenmanagement: „Sie macht das hervorragend.“ Gleichzeitig sicherte er der Heimleiterin alle erdenkliche Hilfe zu – auch wenn die Möglichkeiten für die Stadt begrenzt seien. Das Deutsche Rote Kreuz unterstützt die Pf legekräfte bei den Corona- Tests. Braun wandte sich mit einem Aufruf an die Bevölkerung, um weitere Freiwillige für diese Aufgabe zu finden. In St. Josef war die mutierte großbritannische Variante des Coronavirus entdeckt worden. „Man sieht aktuell, wie stark das Virus ist. Mit Corona ist nicht zu spaßen“, warnt Braun. „Alle Maskenverweigerer sollten sich das zu Herzen nehmen.“ Brauns Mitgefühl gilt neben den Mitarbeitern auch den Bewohnern, die momentan nicht aus dem Zimmer dürfen. „Wir hoffen, dass es gut über die Bühne geht. Wir sind in Gedanken bei denjenigen, die unwahrscheinlich viel tun müssen, und bei den Bewohnern – auch wenn das nur ein schwacher Trost ist.“

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Bildunterschrift

Im Oberkircher Pflegeheim St. Josef, in dem die mutierte großbritannische Corona-Variante nachgewiesen wurde, sind 44 Bewohner und über 20 Mitarbeiter am Coronavirus erkrankt. Doch Hilfe naht.
Foto: Simon Allgeier


Quelle: www.bo.de