Mitarbeiter opfern sich auf  

Der Einsatz der Bundeswehr hat den Pflegekräften und Bewohnern im Oberkircher Pflegeheim St. Josef etwas Entspannung verschafft. Das Gesundheitsamt legt unterdessen Zahlen zum mutierten Virus vor.

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Die Lage im Oberkircher Pflegeheim St. Josef bleibt angespannt. Dort haben sich inzwischen 76 Bewohner und Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert.
Foto: Rüdiger Keller

Oberkirch. „Wir sind noch immer schwer gebeutelt“, beschreibt Geschäftsführerin Kristiane Schmalfeldt die Situation im Pflegeheim St. Josef. Das Gesundheitsamt bestätigt auf Anfrage der ARZ 76 Fälle in Zusammenhang mit St. Josef; 50 Bewohner und 26 Mitarbeiter. In mindestens einem Fall haben sich auch Familienangehörige von Mitarbeitern angesteckt. Laut Schmalfeldt waren bei einem PCR-Test am Freitag vier weitere Bewohner positiv auf Covid-19 getestet. Betroffen sind nur zwei Wohnbereiche, alle Bewohner des Wohnbereichs drei sind auch am Montag negativ getestet worden.

Vier Bundeswehrsoldaten und vier Rettungssanitäter der Bundeswehr sind inzwischen in St. Josef im Einsatz (die ARZ berichtete). Dreieinhalb Wochen nach dem ersten Corona-Fall in der Pflegeeinrichtung sind inzwischen auch die drei ersten erkrankten Pflegemitarbeiter aus der Quarantäne an ihre Arbeitsstelle zurückgekehrt, obwohl einige von ihnen die Folgen von Corona noch immer spüren. Das macht es immerhin möglich, dass Schmalfeldt allen ihren Fachkräften einen freien Tag einräumen konnte. Auch beim Gesundheitsamt spricht man von einer „großen Herausforderung für die Mitarbeiter, trotz vieler erkrankter Kolleginnen und Kollegen den Pflegebetrieb zu managen“.

Viel Lob für Mitarbeiter

Die Heimleiterin ist inzwischen

18 Tage am Stück im Einsatz. Das Lob von OB Matthias Braun an ihrem Krisenmanagement gibt sie an ihre Mitarbeiter weiter. Deren Aufopferungsbereitschaft, die alles andere als selbstverständlich sei, habe sie sehr bewegt. Nach wie vor hat das Gesundheitsamt den Mitarbeitern eine Pendelquarantäne auferlegt: Sie dürfen ihre Wohnung nur zum Arbeiten verlassen. Schmalfeldt hofft, dass diese Auflage bald aufgehoben wird: „Die Mitarbeiter werden mutlos. Sie haben permanent mit Krankheit, Tod und Sterben zu tun und keinerlei Ausgleich.“ Zehn Bewohner von St. Josef sind inzwischen an oder mit Covid-19 verstorben, alle mit Vorerkrankungen. Einige hatten an den ersten Tagen nicht viel mehr als eine laufende Nase, ehe sie überraschend starben. „Das setzt uns sehr zu“, sagt Schmalfeldt. Die Pendelquarantäne ist damit begründet, dass in St, Josef Fälle der britischen Virus-Mutation (1.1.7) nachgewiesen wurden – laut dem Gesundheitsamt bei vier Bewohnern und fünf Mitarbeitern. Den ersten Nachweis gab es am Abend des 29. Januar, laut Landratsamts- Sprecher Kai Hockenjos seien alle möglichen positiven Proben untersucht worden.

Eigentlich rechnete Schmalfeldt bis morgen, Freitag, mit der Rückkehr von zwölf Mitarbeitern. Fest rechnen kann sie nur mit zweien, bei den anderen deutet sich eine Verlängerung der Quarantäne an. Laut Schmalfeldt verlangt das Gesundheitsamt, dass diese 48 Stunden symptomfrei sein und einen negativen Test vorlegen müssen.

„Wir wissen nicht, wie es ohne die Soldaten gehen sollte“, sagt Schmalfeldt deshalb. Gleiches gelte für die Unterstützung aus dem Seniorenzentrum St. Barbara, dem zweiten Standbein der Wohnen und Pflege gGmbH.

Die Bundeswehr hilft bei der Pflege ebenso wie bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und stellt gleichzeitig auch Kontakt zwischen den Bewohnern und ihren Angehörigen her. Eine Bewohnerin befindet sich inzwischen seit dreieinhalb Wochen in Quarantäne. Schmalfeldt: „Die Bewohner leiden seelisch und körperlich.“

Quelle: www.bo.de