St. Josef ist über dem Berg  

Nach einem Corona-Ausbruch kehrt die Normalität zurück ins Oberkircher Pflegeheim St. Josef. Ab Montag sind dort wieder Besuche erlaubt – nach sechs Wochen voller Tragik.

VON PATRIC KÖNIG

Anfang Februar hatte nicht nur der Winter, sondern auch das Coronavirus das Oberkircher Pflegeheim St. Josef fest im Griff. Beides hat sich jetzt geändert. Foto: Rüdiger Keller

Oberkirch. Sechs Wochen lang hatte das Coronavirus das Oberkircher Pflegeheim St. Josef so fest im Griff, dass sogar die Bundeswehr zu Hilfe kommen musste. Weil insgesamt über 75 Mitarbeiter und Bewohner an Covid-19 erkrankt waren, hatte die Bundeswehr vier Bundeswehr-Rettungssanitäter als Pflegekräfte und vier weitere Soldaten von Dornstadt nach Oberkirch abkommandiert.

Die Soldaten haben St. Josef schon vor einer Woche verlassen, nachdem einer von ihnen positiv auf Covid-19 getestet worden war und seine Kameraden als Kontaktpersonen eingestuft worden waren. „Die Bundeswehr hat das prima gemacht“, ist Geschäftsführerin Kristiane Schmalfeldt dankbar für den Einsatz, der inzwischen nicht mehr nötig ist. Die Personallage hat sich seit Mittwoch vergangener Woche deutlich entspannt. Große Teile der Fachkräfte sind wieder arbeitsfähig. Seit 23. Februar ist die Pendelquarantäne für alle Mitarbeiter aufgehoben: Sie hatten ihre Wohnung nur für den Weg zur Arbeit verlassen dürfen, nachdem am 29. Januar eine mutierte Form des Corona- Virus in St. Josef entdeckt worden war. Über das Ende der Quarantäne waren laut der Heimleiterin „alle sehr, sehr froh, damit konnten die Mitarbeiter wenigstens noch ein paar schöne Tage draußen genießen“. Die Mitarbeiter der Verwaltung und des nicht von Corona betroffenen Wohnbereichs drei waren schon einige Tage früher aus der Pendelquarantäne entlassen worden.

Und auch für die Bewohner kehrt die Normalität zurück: Am 19. Februar wurden alle Beteiligten negativ getestet. Gestern, Freitag, endete die Quarantänezeit auch für die zuletzt positiv getestete Bewohnerin. Ab Montag, 1. März, dürfen die Bewohner wieder Besucher empfangen, ab 3. März darf das Heim wieder neue Bewohner aufnehmen.

Viele der 84 Betten stehen inzwischen leer: 19 Bewohner sind an oder mit Covid-19 verstorben. Eine Tafel mit ihren Namen in der Kapelle des Heims erinnert an sie. Viele von ihnen waren über 90 Jahre alt und hatten Pflegegrad fünf. Für viele von ihnen hätte laut Schmalfeldt auch eine normale Grippe das Ende bedeuten können. „So geballt habe ich das in über 30 Jahren in der Pflege aber noch nicht erlebt“, sagt Schmalfeldt, bezogen auf die Todesfälle. „Es war eine sehr, sehr schwere Zeit. Die Quarantäne hat die Bewohner sehr mitgenommen. Aber jetzt haben wir es überstanden“ – auch dank der Hilfe der Bundeswehr und der Mitarbeiter des Seniorenzentrums St. Barbara, das wie St. Josef ebenfalls von der Wohnen und Pflege gGmbH betrieben wird. St. Josef war nach Ausbruch der Pandemie zunächst zehn Monate lang von Corona- Fällen verschont geblieben – bis zum 15. Januar. Der Corona- Ausbruch war dem Impftermin für Bewohner und Pflegekräfte zuvorgekommen, der für den 27. Januar vorgesehen war und wegen des Corona- Ausbruchs abgesagt werden musste. „Wir hatten uns um einen Impftermin bemüht, seit bekannt wurde, dass es diese gibt. Aber wir haben keinen früheren Termin bekommen“, begründet Schmalfeldt, warum es nicht früher mit der Impfung geklappt hat. „Das hat uns viel Mühe gekostet.“ Auch den Termin am 27. Januar habe man nur erhalten, weil der Oberkircher Allgemeinmediziner Johannes Borde bereit gewesen war, beim Impfen zu helfen.

Neuer Impftermin
Im Seniorenzentrum St. Barbara in der Appenweierer Straße ist auch die zweite Impfung seit vergangener Woche abgeschlossen. Inzwischen gibt es auch für St. Josef einen neuen Termin: Am 9. und am 30. März sollen jene Bewohner, die nicht an Corona erkrankt sind, ihre beiden Impfungen erhalten. Dabei geht es in erster Linie um die Bewohner des dritten Flügels, „der Gott sei Dank coronafrei blieb.“ Schmalfeldt geht davon aus, dass die Impfbereitschaft durch die Ereignisse der vergangenen Wochen zugenommen hat.
6. LOKALSEITE: Warum die mobilen Impfteams sich auf die Bewohner konzentrieren und nicht alle Pflegekräfte impfen.